Mobile Auferstehung
Durchmesser 1m, Höhe 3 m
Wellingsbüttler Torhaus, April 2011
Vernissage: Lichtspiele, 10.4.2011 Torhaus Wellingsbüttel 
Einführung: Dagmar Lott-Reschke, Kunsthistorikerin MA

Gabriele Kruk begann schon während ihrer Studienzeit an der Armgartstrasse, Hochschule für angewandte Wissenschaften  in Hamburg sich mit dem Thema Kleidung und Körpergrenzen zu beschäftigen. Dabei benutzte die gelernte Grafikerin damals Zeichnung, Malerei und collagierte Papiere. Später traten die Strukturen und Oberflächenreize des Papiers immer mehr in den Vordergrund. Hier spielt das zellulose Material eine ganz wesentliche Rolle. Das zum Teil und im wörtlichen Sinne selbst „geschöpfte“ Papier ist Anreiz bei der Motivsuche und wichtiger Ausdrucksträger. 
Papier und Kleidung, passt das zusammen? Es ist eine interessante Gratwanderung die Gabriele Kruk hier begeht. Das künstlerische zweidimensionale Material trifft den körperhaften Gebrauchsgegenstand. Schwer zu sagen, ob es sich bei diesen Arbeiten um Kleiderbilder oder Bildkleider handelt. 
Doch gerade diese Annäherung zwischen Kunst und Realität ist das Spannende. 
Gabriele Kruk lotet die Grenzen der Mitteilbarkeit aus. 
Dabei funktioniert das Kleid über dasselbe Zeichensystem wie ein Gemälde, nämlich über Form, Farbe und Material.  
Das Kleid erscheint getrennt vom Körper. Aber es führt ein Eigenleben,  das mehr ist als bloße Hülle. Die beweglichen Bügel suggerieren Kopf und Schultern, der Schwung des Papierschnittes und die Leichtigkeit des Materials erzeugen Lebendigkeit. 
Wie Pygmalion haucht die Künstlerin ihren Kreationen Leben ein, und wahrt dennoch stets eine formale Strenge.
Gabriele Kruk beflügelt unsere Phantasie. Wie in einem Sog beginnen wir damit, uns vorzustellen, wer wohl in einem jenem, wer in dem anderen Kleid stecken könnte. Vom Kleid schließen wir auf den Menschen, assoziieren automatisch Größe, Aussehen, Haarfarbe und Nasenspitze, ja sogar Charaktereigenschaften und Habitus einer fiktiven Person. Ebenso spielerisch und leicht wie die kleinen Minikleidchen entwickeln sich unser Gedanken. Unsere Imagination gerät in Gang. 
Wobei das Wort Imagination von >Imago< kommt, und das heißt Bild. 
Wir machen uns also selbst ein Bild von der potentiellen Trägerin. Schnell wird uns deutlich, wie wichtig Kleidung als Materialisierung unserer Identität ist. 
Dass „Kleider Leute machen“, wissen wir von Gottfried Keller und aus dem Märchen von Hans Christian Andersen.
Laut Georg Friedrich Wilhelm Hegel versuchen wir uns mit Kleidung nicht nur vor Wind und Wetter zu schützen, sondern wir versuchen, unsere Scham über das empfundene Ungenügen unserer nackten 1. Haut gegenüber einem vermeintlich höheren geistigen Inneren zu verbergen. 
Ob Scham oder Stolz, auf jeden Fall wird hier die Verbindung zwischen dem Inneren und dem äußeren Erscheinungsbild des Menschen hergestellt. 
Braucht der menschliche Geist die Kleidung, um zu sich selbst zu kommen? Heute heißt das: Mode ist ein Identity Good ! Kleidung funktioniert als Medium der Individuation und Ich-Konstruktion.
Vor zwei Jahren hatte Gabriele Kruk als Patin ihrer Arbeiten die Wasser-Nymphe Undine erwählt, die für Wandlungsfähigkeit, 
aber vor allem für den sehnlichen Wunsch nach Menschwerdung steht.
In dieser Ausstellung zeigt sie im oberen Stockwerk ein Mobile. Mir erscheint diese Installation als ein folgerichtiger, ja zwangsläufiger Schritt in ihrer künstlerischen Entwicklung. Die Beweglich- und Lebendigkeit, das Mit- und Umeinander der vielgestaltigen weiblichen Figuren und ihre Flugbereitschaft wirkt ebenso spielerisch wie poetisch. 

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